Nicht schmusen!

AztekenDie Sitten unserer Zivilisation wandeln sich ebenso rasch wie die moderne Gesellschaft selbst. Anfang des 20. Jahrhunderts veranlasste das Bemühen um eine Senkung der Kindersterblichkeit die Ärzte dazu, die Kinder nach der Geburt zu isolieren, um sie keinen Krankheitskeimen auszusetzen - nicht mal denen ihrer Mütter! Anfang der zwanziger Jahre begründete eine neue Theorie diese Praxis: Kinder brauchen Disziplin, und da die Mütter es sich an­scheinend nicht nehmen lassen, mit dem Kind auf höchst schädliche und sentimentale Weise zu schmusen, ist eine Trennung die einzige Möglichkeit. Mit dem Kind zu Hause angekommen, wurde den Müttern ans Herz gelegt, ihren Drang, mit dem Kind zu schmusen, es zu küssen, ja sogar zu streicheln, zu unterdrücken ein Händeschütteln oder ein Tätscheln des Kopfes würden ausreichen, schrieb ein Arzt. Erst in den siebziger Jahren erkannten die Wissenschaftler, was zahlreiche traditionelle Kulturen stets gewusst hatten –  wie wichtig die Bedeutung der körperlichen Bindung für die Entwicklung des Kindes und für die Mutter-Kind-Beziehung ist.


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